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Die verborgene Sehnsucht der Sophie M - Sir Mike - Dominanz in Perfektion
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Die verborgene Sehnsucht der Sophie M

Apr 08 2022

Die verborgene Sehnsucht der Sophie M

Der große kommerzielle Erfolg der berüchtigten „Twilight“-Fanfiction „Shades of Grey“ hat in Deutschland eine Lawine an erotischer Literatur losgetreten. Ein schneller Blick zeigt, dass sich wiederum nur ein Bruchteil dessen überhaupt ebenfalls mehr oder weniger mit dem Thema BDSM befasst. Eines der Bücher, auf die das durchaus zutrifft, ist „Die verborgene Sehnsucht der Sophie M.“, ein Taschenbuch, dessen Cover kaum schlimmer hätte sein können:

Ein zu stark weichgezeichnetes Foto einer anatomisch etwas seltsam aussehenden Hand, der klischeelastige Titel, der volle Name der Autorin direkt eine Zeile tiefer, der uns direkt verrät, wofür das M im Titel steht – eh ein Pseudonym. Oben im linken Eck die Kirsche auf dem Sahnehaufen des schlechten Geschmacks: ein runder Button mit einem Bild, das bewusst direkt an das amerikanische „Twilight“-Cover angelehnt wurde und dem Hinweis, dass es sich hier um eine Nr.1-Bestseller-Autorin handelt. Und auch, wenn hier auch noch mit dem Text „Das geheime Verlangen der Sophie M.“ indirekt darauf hingewiesen wird, steht erstmal nirgendwo konkret, dass es sich bei diesem Buch um eine Fortsetzung handelt. Wieso habe ich dieses Buch eigentlich gekauft?!

Gleich vorweg: Das Buch hat mir gut gefallen! Sehr gut sogar. Don’t judge a book by its cover.

Zur „Geschichte“:
Sophie, englische Journalistin, ist schlecht drauf. Sie hat eine schlimme Beziehung und deren Ende hinter sich und wird von ihren Freunden in eine Bar gelockt, in der sie mit einem neuen Mann verkuppelt werden soll. Sie reagiert abweisend, der neue, namens Adam, ebenso. Schnell kommen nebenbei ein paar Fakten über Sophies Vergangenheit auf den Tisch. Dass Sophie mit den beiden Freunden Thomas und Charlotte vorher eine heftige, aber lose BDSM-Beziehung gehabt hat und immer noch versucht, von einem gewissen James loszukommen.

Adam und Sophie kommen sich dann aber doch schnell näher und passen besser zusammen, als sie sich beide je hätten erträumen können. Sie ist Vollblut-Sub, steht als Journalistin mitten im Leben und weiß genau, was sie will. Adam ist Werbetexter, sehr dominant, aber nur leicht sadistisch, clever, kreativ und charismatisch. Nach vielen SMS und Mails, die beider Seiten Kopfkino auf Hochtouren gebracht haben, treffen sich die beiden zum ersten gemeinsamen Spiel.

Die folgenden ca. 300 Seiten sind dann eine Aneinanderreihung mit detaillierten Beschreibungen der prickelnden Gemeinheiten, die Adam sich für Sophie ausdenkt. Das Besondere hierbei ist die Tatsache, dass die beiden nicht nur eine feste Beziehung eingehen, sondern einige Zeit später auch zusammenziehen und einen gemeinsamen Alltag haben. Irgendwann an dieser Stelle ist mir dann auch bewusst geworden, dass es sich zum einen tatsächlich um die Fortsetzung eines Buches mit dem Titel „Das geheime Verlangen der Sophie M.“ handelt und zum anderen eher ein Erlebnisbericht als ein Roman vorliegt. Sophie Morgan erzählt von heißen Machtspielen, erstem leichtem Petplay, einer eher harmlos, aber verantwortungsvoll umgesetzten Rape-Phantasie, körperlichen Züchtigungen, Grenzen und Tabus (ohne zuviel zu verraten: Es gibt eine sehr überraschende, wunderbare „NS“-Spielszene, die mir fast den Atem geraubt hat!) und gemeinsamen SM-Urlauben. Aber auch Beziehungsproblemen wie die plötzliche Arbeitslosigkeit des Doms und anderen Unsicherheiten, sowie eben gemeinsames Zusammenziehen werden thematisiert. Die Beschreibungen der Sexszenen sind dem Thema angemessen hart, die Wortwahl war mir persönlich aber nie unangenehm vulgär.

Erfrischend und angenehm empfand ich vor allem, dass alle Figuren ganz normale Großstädter fernab von den üblichen „Sex and the city“-Geschichten sind. Alle haben normale Jobs in der oberen Mittelschicht, es gibt keine Multimillionäre, die in Luxus schwelgen und mit Geld um sich werfen. Keiner der Beteiligten hat eine tragische, düstere Vergangenheit, wegen der er heute BDSM als Symptom einer psychischen Störung ausleben muss. Diese „echte“, ganz alltägliche Beziehung hat für mich den großen Reiz an der Geschichte ausgemacht, auch, wenn sich nur schlecht nachprüfen lässt, inwiefern sich hier die ein oder andere Fiktion womöglich mit erlebten Tatsachen vermischt. Einen sehr spannenden Handlungsbogen gibt es nicht, das Buch ist wie bereits gesagt ein Bericht aus dem Leben einer funktionierenden Beziehung mit ihren Höhen und kleinen Tiefen.

Blutige Nadelspiele, extreme Züchtigungen oder umstrittene Themen wie Verleih der Sub, etc. sucht man in diesem Buch vergeblich. Dennoch regen die einzelnen Episoden das Kopfkino an und gerade für (sehr geneigte und interessierte!) „Anfänger“ und schon leicht fortgeschrittene BDSMler dürfte die Geschichte noch die ein oder andere anregende Idee liefern. Es geht schon ordentlich zur Sache, für ganz zartbesaitete würde ich wohl eher andere erotische Bücher empfehlen.

Spannend fand ich auch die Passagen, in denen Thomas und Charlotte auftreten, beides heftige Spieler, beide irgendwie aneinander interessiert… ein kleiner Nebenplot, den ich nicht uninteressant fand. Die knappen Einblicke in eine freundschaftlich verbandelte Clique, die rundum SM-interessiert ist, aber eben nicht (mehr) miteinander spielt und wild untereinander die Partner tauscht, hat bei mir immerhin die Lust und Neugier geschürt, doch mal in den ersten Band hineinzulesen (die knappe Bemerkung, dass Sophie dem Hintereingang von Charlotte schon einmal sehr nah gewesen sein muss, lässt mich noch immer nicht ganz los…)

Es besteht aber keine zwingende Notwendigkeit dazu, man versteht auch alles ohne Vorwissen.

„Sophie Morgan“ hat in der Vergangenheit übrigens in einigen Interviews sehr interessant über den Bestseller „Shades of Grey“ geschimpft und deutlich gemacht, was ihr daran alles missfiel und welche groben Fehler ihr aufgefallen sind. Ihr eigenes Buch, das im Original übrigens den etwas weniger reißerischen Titel „No ordinary Love Story“ trägt, gibt somit einen interessanten Einblick, wie eine BDSM-Beziehung ohne allzu heftige Extreme (oder nur Soft-SM) aussehen kann.

Sophie Morgan

Die verborgene Sehnsucht der Sophie M.

Goldmann Verlag

€ 9,99

978-3-442-15792-1

 

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